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"Dann ziehen wir in den Arbeitskampf“

Mangel an Zustellern. Post-Gewerkschaftschef Helmut Köstinger fordert zusätzliche Arbeitskräfte

Immer mehr eMails, immer weniger Briefe. Davon ging man in den vergangenen Jahren bei der heimischen Post aus. Doch die Prognosen erwiesen sich als falsch. Das bekommen nicht nur die Kunden zu spüren, die zum Teil bis am Nachmittag auf ihre Postlieferung warten müssen. Zu leiden haben auch die Mitarbeiter, die jetzt mehr leisten müssen. „Die Personalplanung war in den letzten Jahren immer zu defensiv angesetzt, da die Postführung von deutlich stärkeren Rückgängen im Briefgeschäft ausgegangen ist“, sagt Helmut Köstinger, Post-Betriebsratschef und Vorsitzender der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten.

Druck gestiegen

„Das ist zum Glück nicht so dramatisch wie befürchtet eingetroffen, aber die Personaleinsparung wurde Jahr für Jahr beinhart durchgezogen. Der Druck auf die verbleibenden Mitarbeiter ist dadurch in den letzten Jahren massiv gestiegen.“ Köstinger, fordert vom Management deshalb die Einstellung weiterer Zusteller. Bereits in „normalen“ Zeiten sei die Belastung durch den Personalabbau deutlich gestiegen. Im Weihnachtsgeschäft oder während einer Grippe-Welle wie im vergangenen Jänner sei das Volumen dann kaum noch zu bewältigen gewesen. Köstinger: „In den letzten Jahren hat man auf Teufel komm“ raus Personal eingespart.“ In Zahlen: Waren es 2009 noch rund 11.000 Zusteller, sind es derzeit nur noch knapp 9000. Die Zustellbezirke seien deutlich größer geworden: „Auch wenn die Zahl der Brief-Sendungen insgesamt gesunken ist, muss der Zusteller dennoch nahezu täglich zu jeder Abgabestelle gehen. Durch die jährliche Vergrößerung der Rayone verlängern sich natürlich auch die Wege, Volumen und Gewicht sind auf Grund der Werbepost für den einzelnen Mitarbeiter enorm gestiegen.“ Im Herbst müssten Zusteller sogar bis zu einer Tonne Post austragen. Täglich.

Kritisch werde es vor allem bei Krankheitsfällen. Dann werden Zustellbezirke zusammengelegt, ein Zusteller muss dann oftmals zwei Rayons bedienen. Köstinger: „Wir brauchen mehr Personal, diese Dienstzusammenziehungen sind nicht mehr tragbar, weil der eigene Rayon schon so groß ist.“ In vielen Bereichen müssten die Mitarbeiter über Monate regelmäßig Überstunden machen, weil zu wenig Personal da sei. Köstinger fordert daher sofortige Personalaufnahmen und zusätzlich eine ausreichende Personalreserve: „Wir brauchen für jede Region mehr Personal und eine Personalreserve, damit im Falle einer Erkrankung sofort Ersatz zur Verfügung steht.“ Wie groß diese Reservepools sein müssten, will und kann er nicht genau beziffern, aber: „Es gibt jahrelange Erfahrungen, wann das Aufkommen an Sendungen wie groß ist und wann mit den meisten krankheitsbedingten Ausfällen zu rechnen ist.“

Unzufrieden ist der Gewerkschaftschef auch mit dem Umgang mit älteren Mitarbeitern. Es gebe zwar seit Mitte 2015 eine Betriebsvereinbarung über die Anwendung des Alters-Sabbaticals für Beamte, eine Art Altersteilzeit. Dieses Modell geht über einen Zeitraum von maximal vier Jahren mit einer Einarbeitungszeit und einer Freizeitphase. Während des gesamten Zeitraums werden 70 Prozent des Gehalts ausgezahlt. In der nachfolgenden Pension ab frühestens 62 Jahren gibt es einen Abschlag von mehr als zehn Prozent.

Köstinger: „Es gibt hunderte Mitarbeiter, die diese Regelung in Anspruch nehmen wollen und es geht fast nichts weiter. Das ärgert mich massiv, das ist inakzeptabel.“ Im Vorjahr hätten es nur knapp 100 Mitarbeiter in dieses Altersteilzeit-Modell geschafft.

Dem Management stellt Köstinger die Rute ins Fenster: „Auch der Vorstand muss einsehen, dass es so nicht weitergehen kann. Ich gehe auf Grund der letzten intensiven Gespräche davon aus, dass man jetzt zusätzliche Mitarbeiter aufnimmt. Sollte das wieder nicht funktionieren, werden wir in den Arbeitskampf ziehen.“

VON FRANZ JANDRASITS, Kurier 21.3.2017

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